ZEUS. Ein Hund, der sein Leben selbst in die Hand nimmt.

© Nadja Mayer

Ich streife gerade durch die Straßen… Wo ich gerade bin? Keine Ahnung. Ist aber eigentlich auch egal. Ich weiß nur eines, mir knurrt der Magen und brauche schnell etwas zum fressen. Hunderte Gerüche umgarnen meine feine Nase. Menschen hetzen an mir vorbei, doch keiner beachtet mich. Ich stöbere durch die Mülltonnen auf der Suche, ob nicht doch irgendwo etwas Essbares ist. Ich bin auch nicht wählerisch. Ich fresse alles, auch wenn mir meine Nase davor abrät, weil es schon schlecht ist. Egal. Ich muss was fressen. Die Folgen wie z.B. Durchfall sind mir da egal. Hauptsache ich kann mein Hungergefühl ein wenig stoppen. Manchmal fällt auch von den vorbei laufenden Menschen etwas runter.

Es fängt zu regnen an und die Straßen leeren sich. Ich laufe durch den Regen und suche einen Unterschlupf. Auf einmal hält ein Auto. Es kommt jemand auf mich zu. Ich bin irritiert und nervös. Was soll ich machen? Weglaufen? Aber vielleicht hat die Person auch für mich was zu fressen? Er kommt auf mich zu, streichelt mich, gibt mir ein Leckerli. Dann schnappt er mich und nimmt mich mit ins Auto. Ich bin ganz nervös und ängstlich, weiß nicht was jetzt auf mich zukommt. Will am liebsten davon laufen, doch ich werde im Auto in einen Käfig gesperrt. Die Fahrt dauert recht lange. Erschöpft rolle ich mich zusammen und schlafe ein.

Als ich wieder aufwache, halten wir gerade vor einem Haus, wo ich viele Hunde bellen höre. Der Käfig wird geöffnet und ich werde herausgehoben. Ich höre wie sich die Menschen unterhalten. „Ich hab da schon wieder einen Straßenköter – vielleicht können wir den noch hochpäppeln“ Ich werde sofort in einen Raum gebracht, wo mich ein Arzt untersucht. Dann komme ich in einen Zwinger mit vielen Hunden, welche gleich mal auf mich zulaufen und mich beschnuppern. Nervös und ängstlich ziehe ich mich in eine Ecke zurück und beobachte das Geschehen um mich herum. Es geht die Zwingertüre auf, es kommt wer rein und stellt Futter für uns ab. Er merkt, dass ich noch sehr ängstlich bin und legt mir direkt vor der Nase auch etwas zum Fressen hin. Vorsichtig schnuppere ich daran, und fresse es dann. Hmmmh. Die erste richtige Mahlzeit seit langem. In den nächsten Tagen werde ich immer mutiger und schließe mich auch dem Rudel an.

Hin und wieder kommen Menschen vorbei und beobachten uns. Manchmal wird dann einer der Hunde aus dem Rudel raus genommen und darf dann mit den Menschen mitgehen? Was die wohl mit ihnen machen? Ich hoffe nichts Schlechtes. Zurückgekommen ist leider noch keiner. Es war wieder einer der Tage wo Besucher vorbei kommen. Ich liege in meiner Ecke und beobachte wieder das Geschehen. Die anderen Hunde umgarnen die Menschen, wedeln und bellen. Langsam fasse ich Mut und traue mich hervor, gehe auf die Menschen zu. Vorsichtig schnuppere ich an Ihnen. Ein Mann beugt sich zu mir runter, streichelt mich und nimmt mich hoch. Dann geht er mit mir raus und legt mir Halsband & Leine an.
Aufgeregt – nicht wissend was kommt – folge ich dem Mann, auf eine bessere Zukunft hoffend.

Es werden die Formalitäten erledigt, dann darf ich mit dem Mann mit. Wir steigen ins Auto. Es folgt wieder eine sehr lange Autofahrt. Denn es geht nach Österreich. Genauer gesagt nach Wien. Ich bin total aufgeregt. Endlich habe ich ein Heim und einen Menschen, der sich um mich kümmert. Ich bekomme auch einen Namen, werde Tony getauft. Leider bin ich auch sehr viel allein. Mein Mensch geht lange arbeiten und abends wohl noch gern auf einen Trunk. Jedenfalls riecht er sehr nach Alkohol, wenn er nach Hause kommt. Hin und wieder bin ich bei einer Nachbarin, die dann auf mich aufpasst. Ich habe oft Durchfall und fühle mich nicht glücklich.

Eines Abends, es ist der 14.9.2009, als mein Mensch heimkommt nutze ich die Chance und laufe bei der Türe raus. Muss ich doch schon so dringend Gassi. Er scheint es jedoch gar nicht zu merken und macht die Türe hinter mir zu. Ich laufe auf der Straße auf und ab. Überlege was ich tun soll. Wieder zurück? Hoffen, dass er die Türe wieder aufmacht? Es fängt zum Regnen an. Ich verzweifle, irre durch die Straßen und suche schließlich Schutz bei einer U-Bahn Station. Die Gedanken überschlagen sich regelrecht in mir. Erinnerungen von früher kommen in mir hoch. Soll jetzt alles wieder von vorne beginnen? Soll ich wieder auf der Straße leben? Wieder hungernd durch die Straßen ziehen?

Ich kauere in der Ecke beim U-Bahn-Eingang, als ich plötzlich einen ganz angenehmen Geruch wittere. Ich schaue in die Richtung, wo der Geruch herkommt. Es ist die Rolltreppe. Aber ich kann noch nichts sehen. Doch dann bewegt sich die Rolltreppe und ein Pärchen kommt hoch. Irgendwie umgibt mich ein Gefühl der Geborgenheit und ich werde wie magisch von dem Pärchen angezogen. Die Frau blickt auf mich und sieht sich dann irritiert um. Sie merkt wohl gleich, dass da etwas nicht stimmt. Sie kommt auf mich zu und streichelt mich. „Na Kleiner, wer bist du denn? Wo ist denn den Herrli oder Frauli?“ Ich schmiege mich an sie. Sie schauen noch eine Weile, doch mein Besitzer kommt nicht. Er merkt wohl noch nicht, dass ich weg bin. Dann nimmt mich die Frau hoch und sagt zu ihrem Mann. „Wir nehmen ihn mal mit, können ihn doch nicht da so im Regen lassen. Was ist wenn er auf die Straße vor ein Auto läuft?“ Phew, schreckliche Gedanken. Ich schmiege mich an sie und hoffe, dass sie mich nicht mehr los lässt.

Der Weg ist nicht weit. Nach 2 Häuserblöcken sind wird daheim. Sie nimmt ein Handtuch und rubbelt mich ab. Hmmh… wie angenehm das doch ist. Ich folgen den Beiden durch die Wohnung und schaue mich um. Sie geben mir Wasser und etwas zu Fressen. Eigentlich ur-lecker, aber ich bin so nervös, dass ich nicht viel Fressen kann. Die beiden melden bei der Polizei und im Tierschutzhaus, dass sie mich gefunden haben. Aber ich muss nicht ins Tierheim, sondern darf bei Ihnen bleiben und warten, ob sich der Besitzer meldet. Beim Tierarzt wird festgestellt, dass ich zwar einen Chip habe, allerdings sind keine Daten drauf gespielt.

In den nächsten Tagen schließe ich immer mehr Vertrauen und fühle mich super wohl. Ich kämpfe richtig um Ihre Aufmerksamkeit und Liebe. Ich kann es gar nicht erklären warum, aber es ist total magisch. Wie, wenn uns das Schicksal zusammengeführt hätte… wir gehören einfach zusammen.

Da die beiden mich auch irgendwie rufen wollen, überlegen sie am 3.Tag einen Namen für mich – Zeus.

Mittlerweile bin ich schon 5 Tage bei den Beiden, als plötzlich das Telefon läutet. Die Tierärztin meint, es hätte sich jemand gemeldet, der eventuell der Besitzer sein könnte und fragt, ob sie die Telefonnummer weiter geben darf. Kurz darauf meldet sich eine Dame am Telefon. Da die Dame weder Chipnummer nennen noch mich richtig beschreiben kann, wenden sich meine Pflegebesitzer an das Tierschutzhaus und lassen darüber den Treffpunkt organisieren. Die Dame kommt dann gemeinsam mit meinem Herrchen.

Ich laufe hin und begrüße die beiden. Doch als sie mich dann im Auto mitnehmen möchten, werde ich ganz nervös und unschlüssig. Ist das wirklich was ich will? Eigentlich gefällt es mir bei meinen Pflegebesitzern viel besser. Was soll ich nur machen? Werde ich überhaupt gefragt? Muss ich mich fügen? Oder kann ich mich selbst entscheiden? Ich winsle und weigere mich ins Auto einzusteigen. Will nur bei meinen Pflegebesitzern bleiben. Die beiden sind schon einen halben Häuserblock entfernt. Was soll ich nur machen. Ich will doch zu ihnen? Ich belle, weine, winsle und weigere mich vehement. Und dann geschieht es. Es ist wie ein Wunder. Mein Besitzer und die Begleiterin laufen den beiden hinterher und fragen, ob sie mich nehmen würden, da ich nicht mehr mit will.

Die Beiden sind sehr überrascht über das Angebot, freuen sich aber auch total. Schließlich sind wir in den letzten Tagen sehr zusammen gewachsen. Es werden Impfpass und Daten ausgetauscht, dann verschwinden die beiden und ich bleibe bei meinen neuen Besitzern. Freudig schmiege ich mich an sie und wedle dankbar. Mein neues Frauli beugt sich zu mir runter, streichelt mich freudig und sagt: „Aber ich sag‘s gleich, bei uns bleibst du der Zeus. Dann geht’s heim in mein neues Zuhause.

Eine Entscheidung, die ich nicht bereue. Die Beiden kümmern sich so lieb um mich. Das magische Band zwischen uns stärkte sich immer mehr… und schon nach kürzester Zeit merkte auch Frauli, dass wir einfach für einander bestimmt sind. Sie nennt mich immer ihren Seelenhund <3

Frauli und Herrli bereiten mir tagtäglich den Himmel auf Erden. Sie gingen mit mir in die Hundeschule und zeigen mir auf diversen Ausflügen die Welt. Dafür zeigte ich ihnen, was ich kann indem ich zum Beispiel die Prüfungen wie BHE, BH1, BH2 und die Wasserrettungshundeprüfung super absolvierte.

Es wurde festgestellt, dass ich in meiner Streunerzeit einen Unfall gehabt haben muss und meine Hüfte dadurch deformiert ist und mein Hinterfuß zu kurz. Aber auch das schreckt Frauli und Herrli nicht ab. Ich bekomme jegliche ärztliche Versorgung die ich brauche, Physiotherapie und hab auch mittlerweile Gold in der Hüfte.

Alles in allem würde sich Frauli total über ein paar tolle Studio-Fotos von mir freuen. Und deshalb bekommt ihr meine Story :)
*wuff*, Euer Zeus

03-Zeus

 

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