Ria – unsere Geschichte

© Ina Maierhofer

Mein Leben lang habe ich Tiere geliebt… Pferde, Katzen, Ratten… ich hatte in meinem Leben viele Haustiere, die mich Jahre, ja jahrzehntelang begleitet haben und dennoch war da immer der Wunsch nach einem Hund. Ich wusste genau was es sein sollte… ein schwarzer Dobermann mit Ohren und Rute aus einer guten, österreichischen Zucht zu der ich Vertrauen habe. Meine Familie hatte, solange ich denken kann Jagdhunde und Collies, aber ein Dobie…das sollte MEIN Hund werden.

Irgendwann haben sich meine Lebensumstände geändert… ich habe mein altes Leben aufgegeben und bin vorübergehend wieder in das große Elternhaus mit Garten gezogen, konnte mir beruflich eine Auszeit nehmen und plötzlich wusste ich, dass es nun soweit ist. Jetzt oder nie.

Ich weiß noch, wie ich ganz aufgeregt zu meinem Wunschzüchter gefahren bin, der auch gerade Welpen hatte. Und da bin ich ihr das erste Mal begegnet. Ich sehe noch immer dieses kleine, plüschige Etwas vor mir, das mir Mama-Wuff ganz stolz präsentierte, kurz bevor mich eine 11 köpfige Welpenrasselbande überfiel. Die mit dem orangenen Halsband, die wird es werden.

An diesem Tag fuhr ich mit dem Wissen nach Hause, dass es zum einen großen Ärger geben würde, weil ich meiner Mama – die zu dem Zeitpunkt noch unter ziemlicher Angst vor Hunden litt – versprochen hatte, ja keinen großen Hund zu nehmen und schon gar keinen „Kampfhund“, zum anderen wusste ich, dass das was ich hier tat einfach richtig war. An diesem Tag wusste ich, dass sie Ria heißen und das es bestimmt nicht einfach werden würde…aber das war genau der Weg, den ich gehen musste und wollte.

Die endlosen Diskussionen mit der Familie erspare ich dem werten Leser… aber das Endergebnis war, dass ich mein zukünftiges Doberfräulen als „großen Pinscher“ verkaufte, um meine Mutter nicht vollends zu verschrecken… und irgendwann gab sie nach – ich durfte mit Fellknäul für ein Jahr einziehen.

Irgendwann war der große Moment da und ich durfte die kleine Maus abholen. Alles war geregelt. Beruflich konnte ich mir einige Monate Auszeit nehmen, die Wohngegebenheiten waren perfekt… alles gut! …oder doch nicht?
Trotz aller Vorbereitung, trotz aller Bücher, die ich gewälzt hatte, trotz aller Menschen mit denen ich gesprochen hatte…ich hatte keine Ahnung, was ich mir da angetan hatte!

In den ersten Monaten schlief ich kaum, magerte um 10kg ab und war am Ende mit den Nerven. Ria war ein Wirbelwind, dem man kaum gerecht werden konnte und wenn ich etwas mache, dann richtig oder gar nicht. Und so kam irgendwann der Moment, als ich fertig mit Gott und der Welt am Boden neben meinem kleinen Waugerl lag und nur noch weinte, weil ich das Gefühl hatte, ihr niemals das geben zu können, was sie brauchte. Ich war verzweifelt… Wie sollte ich jemals wieder in ein normales Leben zurück kehren und in meinen alten Alltag mit Arbeit und Freunden zurück finden?

Ich wollte aufstehen… zum Handy greifen… die Züchterin anrufen und ihr sagen, dass es mir leid tue… Dass ich doch nicht bereit für ein Leben mit Hund sei… Und als mein kleines Waugerl merkte, dass ich mich entfernen wollte, seufzte sie tief, kuschelte sich ganz nah an meinen Bauch und lies mir keine Möglichkeit aufzustehen, außer sie weg zu schieben… und das brachte ich nicht übers Herz.

Bis heute sehe ich diese kleine Bewegung als Zeichen, dass wir es schaffen… Dass wir es hin bekommen und irgendwie haben wir es wirklich geschafft.

Heute ist Ria knapp 5 Jahre alt und ein Engel auf vier Beinen, ohne den ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen kann und will. Mittlerweile sind wir eingespielt, funktionieren zusammen und haben viele Abenteuer erlebt. Vor etwa 1 ½ Monaten hat sich die Maus das Kreuzband gerissen, aber selbst die schwere Zeit nach der Operation mit monatelanger Leinenpflicht haben wir gut überstanden und sind auf dem besten Wege zur vollständigen Genesung.
Ria ist nicht meine beste Freundin…sie ist mein Schatten, mein Spiegel, der mir nachdrücklich mitteilt, wenn ich mal nicht ganz rund laufe. Sie ist, neben meinem Lebensgefährten, der zufällig am gleichen Tag Geburtstag hat wie Ria (er ist exakt 30 Jahre älter als sie <3) das wichtigste Lebewesen in meinem Leben. Ihre Geschichte umfasst noch so unglaublich viele wunderbare Details, so viele Erinnerungen und so viel Liebe, dass alleine der Gedanke an sie, mich zu Tränen rühren kann…. Besonders dieser eine Moment…damals…ganz allein mit ihr in meinem alten Jugendzimmer, als ich eine der besten Entscheidungen meines Lebens beinahe aufgegeben hätte.

PS: Der aufmerksame Leser fragt sich bestimmt, ob meine Mutter jemals die Wahrheit über den „großen Pinscher“ erfahren hat… Nun… hat sie. ;-) Vor etwa zwei Jahren bei einem Mädlsurlaub habe ich ihr gestanden, was Ria wirklich ist – und es spielt keine Rolle, wie das was man liebt genannt wird. Sie hat übrigens heute keine Angst mehr vor Hunden und wünscht sich – sobald sie in Pension ist – selbst einen Hund <3

Ina-Ria

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