Pippa, das Weihnachtswunder

© Martina Tömö

Hallo! Ich bin´s … die Pippa.

Und hier ist meine tragische Geschichte, aber keine Sorge, sie hat ein Happy End.

Pippa ist nun mein 3. Name. Geboren wurde ich vor 8 1/2 Jahren in der Tschechischen Republik und wurde nach Österreich verkauft. Wenn das stimmt, was mein 1. Besitzer erzählt, dann war ich kein Billig-Mops. Über 6 Jahre lebte ich bei meinem Herrchen. Aber meine Haut hat so oft gejuckt und die Tierklinik konnte nicht herausfinden
warum. Sie haben Herrchen geraten, dass er mir nur Lamm, Reis und Gemüse füttern soll, weil die Tierklinik vermutet hat, dass ich mein Futter nicht gut vertrage.

Meinem Herrchen waren aber das Futter und der Tierarzt zu teuer und so hat er mich weitergegeben. Damals hatte ich schon einen größeren Fleck, wo keine Haare mehr wuchsen und meine Haut ganz schwarz war. Meinem 2. Frauchen hat er erzählt, dass ich so viel Stress habe, weil ich viel alleine bin und ich mich deshalb so viel kratze. Bei meinem jungen Frauchen war ich nicht alleine, denn es gab einen 2. Hund, Mama, Papa und einen Bruder. Aber das Jucken wollte nicht aufhören. Der Tierarzt fand heraus, dass ich eine Schilddrüsenunterfunktion habe. Aber leider war meinem Frauchen das Medikament um € 5,20 im Monat zu teuer und so bekam ich es nicht regelmäßig. Auch das Futter war nicht das richtige und so kratze und kratze ich mich.

Ich verlor fast mein ganzes Fell, meine Haut wurde dick und schwarz. Es siedelten sich Bakterien und Pilze an, von denen ich eine schwere Infektion bekam und fürchterlich gestunken habe. Fieber hatte ich auch, mein ganzer Körper war brennend heiß und ich hatte immer Durst. Im Zimmer von meinem Frauchen durfte ich auch nicht mehr schlafen, weil sie das ständige Kratzen gestört hat. Und weil ich so viel getrunken habe, ging auch mal ein Lackerl daneben.

Bis es nach einem Jahr den Eltern von meinem Frauchen zu viel wurde und sie sagten, mein Frauchen müsse mich weggeben. Aber Frauchen wollte nicht. So haben die Eltern mit ihrem Freund geredet und der hat eine Anzeige auf einem Online-Marktplatz reingestellt. Ich sollte verschenkt werden. Hauptsache weg. Davon wusste ich aber nichts.
Ich hab mich ständig nur gekratzt, bin sogar am Bauch über den Teppich gerobbt, weil mich mein Bauch so gejuckt hat.

Und dann, plötzlich, eines Abends Anfang Dezember 2014 kamen da zwei Frauen in mein zu Hause und die hatten einen Mops-Buben dabei. Den fand ich so hübsch. So hübsch war ich früher auch. Ich wollte gleich Kontakt mit dem Mops-Burschen aufnehmen, aber der wollte nicht… ich hab anscheinend zu streng gerochen. Aber die Frauen waren
sehr sehr lieb zu mir. Ich hab tolle Leckerli bekommen und hab dafür brav Sitz gemacht. Die zwei Frauen haben mit der Mama und dem Freund von Frauchen geredet, aber ich hab mich nicht ausgekannt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich soll mitfahren mit dem schönen Mops-Mann. Aber die Frauchen-Mama konnte mich nicht einfach mitfahren lassen, weil ich ja nicht ihr Hund war.

In der Zwischenzeit hab ich es mir bei der anderen Frau am Schoß bequem gemacht und bin fast eingeschlafen. Die zwei Frauen gingen aber nicht weg, weil sie haben gesagt, sie warten bis mein Frauchen nach Hause kommt. Mir war’s egal. Ich bin eingeschlummert. Aber dann kam Frauchen heim und ihr Freund und ihre Mama haben auf sie
eingeredet. Hab wieder nix verstanden, aber ich hab gemerkt, dass Frauchen zornig ist und geschimpft hat. Und die zwei Frauen sind ganz ruhig gewesen, haben fast nix gesagt, aber irgendwann hat sich Frauchen beruhigt und hat der einen Frau so ein blaues Hefterl – meinen Impfpass – gegeben. Dann wurde mir mein Brustgeschirr angelegt und ich wurde zu einem Auto hinausgetragen. Der andere Mops ist auch ins Auto eingestiegen und die eine Frau hat zur anderen gesagt: “Fahr – fahr – fahr!!!”

Es war schon ganz dunkel, es hat geregnet und es ging ein kalter Wind, aber ich saß zusammengekuschelt am Schoß der einen Frau und die hat dauern geschimpft, aber ich hatte keine Angst. Irgendwie fühlte ich mich sicher bei ihr. Kurz darauf hielt das Auto auf einer großen Wiese und wir alle sind aus dem Auto gestiegen. War gut, denn
ich musste schon ganz dringende Geschäfte erledigen. Aber jetzt war mir wieder so kalt, dass ich zittern musste. Nun wurde ich in ein großes Tuch gewickelt, das Auto war warm und so bin ich eingeschlafen, während sich die zwei Frauen ständig unterhalten haben.

Dann war die Fahrt, die ich komplett verschlafen habe, zu Ende und ich wurde von einem netten Mann und noch 3 anderen Möpsen begrüßt. Aber auch diese Möpse haben Abstand zu mir gehalten, weil ich irgendwie nicht mehr wie ein Mops aussehe und auch noch sehr schlecht gerochen habe. Später wurde ich gebadet und bekam einen Pullover, den die Frau schnell aus dem Ärmel ihres Pullovers gebastelt hat. Mir war ja ständig kalt. Nach einem ausgiebigen Abendessen und einer schnellen Geschäfterunde, bin ich dann auf einem dicken Kissen neben dem Bett der Frau eingeschlafen.

Am nächsten Tag kam wieder die zweite Frau und wir fuhren gemeinsam weg. Die zwei Frauen haben von einer Tierklinik gesprochen und die eine hat gesagt, dass sie mich ihrem Mann zeigen will und von “Pflegestelle” war die Rede. In der Tierklinik wurde ich dann angemeldet und kurz darauf kam ich in einen Raum, in dem ein großer netter
Mann auf uns wartete. Ich wurde auf einen Tisch gesetzt und meine Kleidung wurde ausgezogen. Der nette Mann schaut mich kurz an und ging dann raus, um gleich darauf mit einer Kamera wieder zu kommen. Er machte Fotos von mir. Von allen Seiten und sagte ständig: “Sowas hab ich noch nie gesehen.”

Die eine Frau hatte Tränen in den Augen und sie erzählten meine Geschichte. Dann wurde mir viel Blut abgenommen, die Frauen bekamen für mich Medikamente und ein Shampoo und wir konnten wieder gehen. Wir sollten aber bald wiederkommen, weil dann meine “Laborwerte” – was immer das auch ist – aus Deutschland da sein sollten. Die eine Frau bezahlte und wir stiegen wieder ins Auto. Wir fuhren jedoch nicht zu den 4 anderen Möpsen, sondern in eine andere Wohnung, wo auch ein Mops-Bub und der Ehemann der Frau warteten. Huii, dieser Mops-Bub war aber groß und stattlich. Der Ehemann hat mich angeschaut und dann wurde kurz besprochen, dass ich “für immer bleiben” soll.

Jetzt begann ich zu verstehen. Ich hatte ein neues zu Hause! Und ich verstand – ich war schwer krank, weil ich vernachlässigt wurde. Sogar von “Tierquälerei” war die Rede.

Von nun an bekam ich regelmäßig Medikamente – eines muss ich mein Leben lang nehmen für meine Schilddrüse – werde täglich mit einem Spezialshampoo gebadet und eingecremt, bekomme für mich geeignetes Futter und werde angezogen, damit mir nicht ständig kalt ist, weil ich fast kein Fell habe.

Da ich kaum spazieren geführt wurde, ist die Haut auf meinen Ballen zu dünn und über Kies kann ich schlecht laufen. Aber jeden Tag wird mit mir geübt, damit das bald besser wird. Für längere Strecken hab ich jetzt sogar einen eigenen Wagen. Die Menschen nennen ihn Pippa-Porsche. Der Juckreiz und die Entzündungen lassen nach, meine
alte, verdickte Haut löst sich und eine neue kommt zum Vorschein. Der Tierarzt hat gesagt, dass ich wieder überall Fell bekomme. Den netten Tierarzt besuche ich jede Woche zur Kontrolle. Ich war auch viel zu mager, aber ich habe schon 1/2 kg in 2 Wochen zugenommen. Viele Mops-Eltern haben Kleidung für mich gespendet, damit mir im
Winter nicht kalt ist.

Ich fühle mich in meinem neuen zu Hause sehr wohl. Darf auch im Bett schlafen wie mein Mops-Kumpel und der Kater. Der Mops-Kumpel teilt sogar seine Kausachen mit mir und passt auf mich auf, wenn fremde Hunde sich nähern. Hier wird viel mit mir gekuschelt und es geht mir jeden Tag besser. Ich rieche auch nicht mehr wie verfaultes Fleisch und bekomme zur Stärkung meines Immunsystems verschiedene Zusätze ins Futter. Mein Tierarzt ist sehr zufrieden mit meiner neuen Mops-Eltern und mir. Meine neue Familie, heißt übrigens Martina, Manfred, Mops Pumbaa und Kater Timon. Eine “Patentante” hab ich auch und die heißt Marietta. Das ist die mit den 4 Möpsen, welche mich mit meinem neuen Frauchen rausgeholt hat.

So das war meine Geschichte. Aber Frauchen und Patentante haben mich gebeten Euch was zu sagen. Mein Leidensweg fand in Österreich statt und viele Menschen haben zugesehen, wie es mir immer schlechter und schlechter ging. Hier gibt es gute Tierärzte, Behörden und Tierschutzvereine, aber diese können nur etwas unternehmen, wenn Menschen ihnen sagen, dass ein Tier leidet. Bitte schaut nicht weg, wenn ihr seht, dass es einem Tier schlecht geht in unserem schönen Land.

Eure Pippa

PS (Martina): Ich habe Pippa kurz vor Weihnachten 2014 aus dubiosen Verhältnissen gerettet, mit viel Liebe ist aus ihr ein fast normaler Hund geworden.

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(Pippa, 2 Jahre – Pippa, letztes Jahr – Pippa, jetzt)

comments (3)

  • barbara steffan

    ich kenne beide persönlich und bewundere martinas leistung, ein hoch auf pippa

  • antje stadlmüller

    so ein lieber mops, alles gute für pippa <3

  • frank luis

    so eine liebe, hilfsbereite Familie, alles gute für pippa <3

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