Barney-Sorgenbär

© Ute Phielepeit
Wie alles begann

Der Gründung von Phillys Keksmanufaktur ging ein sehr trauriges Ereignis voraus: Meine Hündin Java bekam Knochenkrebs als sie 5,5 Jahre alt war. Fünf Monate blieb ich bei ihr zuhause, bis sie mir dann zeigte, dass sie nicht mehr konnte und gehen wollte. Zurück blieb ich mit unendlicher Trauer und einer Ratenzahlung im vierstelligen Bereich auf der veterinärmedizinischen Universitätsklinik.

Barney-Sorgenbär …

Mein Hund Barney, Javas Neffe, der schon kurz nach ihrem Tod zu mir kam, erkrankte mit 15 Wochen an einer Gehirnhautentzündung mit schweren neurologischen Ausfällen – er konnte nicht mehr sitzen oder den Kopf alleine heben -sowie an einer Lungenentzündung. Barney war eine Woche auf der Veterinärmedizinischen Universitätsklinik auf der Intensivstation. Täglich bekam ich Anrufe, ob wir es weiter versuchen sollen. Es hätte eigentlich keinen Zweck. Obwohl das ärztlicherseits nicht gewünscht wurde (der Besuch durch die Besitzer würde die Tiere zu sehr aufregen und ihnen schaden) bestand ich darauf, meinen sterbenden Hund zu besuchen.
Ich durfte dann auch zu ihm und konnte eine Stunde mit ihm in einem leeren Behandlungszimmer verbringen. In dieser Stunde erzählte ich Barney, wie sehr ich mich auf ihn freue. Ich sagte ihm, wie schön das Leben ist und was wir alles miteinander erleben würden. Ich sang ihm Kinderlieder vor und ich sagte ihm, dass ich am nächsten Tag wiederkommen würde.

… schafft es

Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf aus der Klinik: Barney könnte allein sitzen und hätte auch selbständig gefressen. Drei Tage später ging er selbständig auf seinen eigenen Pfoten und wurde als „gebessert“ nach Hause entlassen. Eine Ursache für die neurologischen Ausfälle konnte nicht entdeckt werden. Heute vermuten wir, dass ein Zeckenbiss die Ursache gewesen sein könnte.

Zwei Wochen später bei einer Nachuntersuchung war der behandelnde Neurologe zugegen, der mir gesagt hatte, mein Hund würde wahrscheinlich nie in der Lage sein, alleine den Kopf zu heben oder zu sitzen. Wir sollten einen glatten, gefliesten Gang entlang gehen und dann die Stufen in das Untergeschoss hinunter. Unser tollpatschiger Barney-Welpe mit den Riesenpfoten absolvierte den Parcours tadellos. Der Neurologe konnte nicht glauben, was er sah. Das bedeutete allerdings nicht, dass Barney nun ein richtig gesunder Hund war.

Damals lebte ich alleine und bekam nun mein Barney-Bärchen nach Hause – mit der üblichen vierstelligen Ratenzahlung versteht sich. Natürlich konnte ich den kleinen Kerl nun nicht alleine lassen, um nun extra viel Geld zu verdienen, damit ich das alles bezahlen kann.

Aus Weihnachtskeksen …

In meiner Not begann ich – es war der Monat November – Bio-Weihnachtskekse zu backen und im Freundeskreis zu verkaufen. Dies lief unerwartet gut. Doch Weihnachten war bald vorbei. Ein Freund sagte zu mir: „Mach doch Hundekekse, dann kannst du weitermachen“ – und so ging es los.

… wurden Hundekekse

Zunächst befragte ich zahlreiche Tierärzte (ich kannte ja genug), was denn nun hinein soll in gesunde Hundekekse – denn nur solche wollte ich machen. Als nächstes holte ich mir die erforderlichen Auskünfte ein, welche Genehmigungen und Gewerbeberechtigungen dafür notwendig waren. Im Januar 2010 startete ich dann ganz offiziell mein neues Gewerbe.

Berufung: Hundekeksbäckerin

Was für mich ein ganz außergewöhnliches Erlebnis bei meinem neuen Tun war und ist, ist die immense Freude, die ich bei dieser Tätigkeit empfinde. Während ich mir bei früheren Tätigkeiten immer wieder die Frage nach dem Sinn stellte und mich mit vielem nicht identifizieren konnte, fand ich mich auf einmal vollkommen glücklich in meiner Küche beim Backen von Hundekeksen wieder. Es war wie ein großer kosmischer Witz: Nach zwei Studien und wenig beruflicher Erfüllung stellte ich plötzlich mit ziemlicher Erheiterung fest, dass es mich komplett glücklich macht, Hundekekse zu backen. Diesen Berufsweg hätte ich mir wahrlich nie vorstellen können.

Barney

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